Kneipp Anwendungen
Wissenswert
Unter der sogenannten Hydrotherapie (Wasserheilkunde) versteht man Anwendungen mit warmem, vor allem aber mit kaltem Wasser. Es ist eine der ältesten Behandlungsformen überhaupt. Schon im antiken Rom hatte man sie mit Erfolg angewandt.
Lange Zeit war die Therapie in Vergessenheit geraten. Erst der Naturheilkundler Vinzenz Priessnitz und Pfarrer Kneipp haben die wohltuende Wirkung der Wasseranwendungen wieder entdeckt. Die priessnitzschen Wickel und die kneippschen Güsse wurden ebenso wie das von Kneipp propagierte Wassertreten weltweit bekannt.
Mit kurzen Kaltwasseranwendungen (eine Sekunde bis eine Minute) werden über die Haut Temperaturreize vermittelt, die im Körper positive Reaktionen auslösen - die Abwehrkräfte werden gestärk, Kreislauf und Nervensystem werden angeregt und der Körper und die Haut erfrischt und belebt.
Die Wasseranwendungen bilden bis heute die Grundlage der Sebastian Kneipp-Therapie. Ihre einfache Handhabung macht sie zur bevorzugten Form häuslicher Eigenbehandlung.
Kaltes Armbad
Dieses Bad wird auch die «gesunde Tasse Kaffee des Kneippianers» genannt, denn es regt an, aber nicht auf.
Wirkung:
- Stärkung der Abwehrkräfte
- Förderung der Blutzirkulation in den Armen
- Anregung des Stoffwechsels
- Durchblutungsförderung für den Herzmuskel
- Erfrischung bei Abgeschlagenheit und Müdigkeit
- Schmerzlinderung bei Ellbogenbeschwerden
Und so wirds gemacht:
- Zu Beginn sollten die Arme warm sein!
- Idealerweise am späten Vormittag oder frühen Nachmittag
- Waschbecken mit kaltem Wasser (12 bis 18 Grad Celsius) füllen
- Arme eintauchen, bis ein Kältegefühl spürbar wird (30 bis 40 Sekunden)
- Ruhig weiteratmen - lächeln
- Anschließend das Wasser sanft von den Armen abstreifen
- Für Wiedererwärmung sorgen (Kleidung anziehen, bewegen)
Vorsicht: Nicht mit kalten Händen ins kalte Wasser!
Tipp:
Vor dem Abstreifen des Wassers an den Armen den Nacken sanft mit Wasser bestreichen. Das ist besonders erfrischend, denn hier liegt das Herz-Kreislauf- und Atemzentrum.
Ansteigende Fussbad
Wirkung:
- Hilfe bei Bronchitis und Halsentzündungen
- Gegen Erkältungskrankheiten zu Beginn anzuwenden, also bei Niesen, Schnupfen, Frieren usw.
- Günstige Beeinflussung bei asthmatischen Zuständen
- Milderung bei den meisten rheumatischen Erkrankungen
- Hilfe bei Gefässkrämpfen
- Reflektorische Wirkung auf die Unterleibsorgane
Achtung: Nicht anwenden bei Venenerkrankungen!
Und so wird gemacht:
- Beide Beine in ca. 35 Grad Celsius warmes Wasser (Fusswanne) tauchen und durch langsames Zulaufen von heissem Wasser (über 15 Minuten) auf 40 - 42 Grad Celsius erwärmen; noch weitere fünf Minuten im Wasser verweilen
- Anschliessend die Beine abtrocknen
- 20 Minuten Bettruhe geniessen - dabei zur Entspannung die Beine etwas hochlagern
Kalter Schenkelguss
Sie brauchen einen weichen Wasserstrahl. Das Kneipp-Giessrohr eignet sich dafür sehr gut. Das Wasser soll die Haut ummanteln, nicht Druck ausüben.
- Zunächst stellen Sie das Wasser angenehm warm ein.
- Sie beginnen am rechten Fuss aussen und führen den Wasserstrahl aufwärts bis zur Hüfte, verweilen dort kurz und führen den Wasserstrahl vorne innen am Bein wieder zurück bis zum Boden.
- Dasselbe machen Sie am linken Bein.
- Dann stellen Sie das Wasser auf kalt bzw. kühl ein und wiederholen das Prozedere insgesamt zweimal.
- Zum Abschluss erst die rechte und dann die linke Fusssohle abgiessen.
- Für Wiedererwärmung sorgen, also entweder Socken anziehen, herumlaufen, sich bewegen oder sich für eine halbe Stunde ins Bett legen.
Wichtig: Vor dieser Kneipp-Anwendung sollten Sie unbedingt warme Füsse haben, entweder aktiv durch Bewegung oder passiv durch Bettwärme. Sebastian Kneipp ließ seine Patienten das Wasser für die Behandlung selbst pumpen, so war ihnen auf jeden Fall warm!
Wassertreten
Und so wirds gemacht:
- Füllen Sie die Badewanne oder eine Plastikwanne bis eine Handbreit unter die Kniekehle mit kaltem Leitungswasser.
- Stellen Sie sich dann in das Wasser und schreiten Sie auf der Stelle. Bei jedem Schritt wird - wie im Storchengang - ein Bein komplett aus dem Wasser herausgezogen und dabei die Fussspitze etwas nach unten gebeugt. Hören Sie auf, sobald der Kaltreiz zu stark wird.
- Nach dem Wassertreten streift man das Wasser mit den Händen von den Beinen und erzeugt durch Fussgymnastik oder Gehen ein angenehmes Wärmegefühl.
Wassertreten regt den Kreislauf an, ist durchblutungsfördernd, venenkräftigend, stoffwechselanregend, abhärtend und vegetativ stabilisierend.
Zu empfehlen als Muntermacher, bei Krampfadern, heissen Beinen und Migräne.
Barfussgehen/Tautreten
Wirkung:
- Stärkung des Immunsystems (Abhärtung)
- Reflektorische Stärkung der Unterleibsorgane
- Hilfe bei Kopfschmerzen
- Kräftigung der Fussmuskulatur
- Venen- und Wadenmuskel-Pumpe
- Abhilfe bei Fussschweiss
Durchführung:
- Nach dem Aufstehen mit warmen Füssen zwei bis drei Minuten über taufrisches Gras (=> «Tautreten») bzw. 20 bis 30 Sekunden durch frisch gefallenen Schnee (=> "Schneegehen") gehen
- Für Wiedererwärmung sorgen - nicht abtrocknen, sondern Socken anziehen und sich bewegen!
- Tagsüber sooft wie möglich barfuss gehen, eventuell die Füsse kurz in kaltes Wasser tauchen und, ohne sie abzutrocknen, einen "Zimmerspaziergang" machen
- Möglichst im Sommer beginnen!












